Aktuell: Die Schlucht ist am 28./29. September 2026 wegen Forstarbeiten gesperrt.Sperrung 28./29. September 2026 Details

Gefaltete Kalksteinwände in der Taubenlochschlucht

Über die Taubenlochschlucht

Name, Schüss, Flora, Fauna und Geologie – die Schlucht von allen Seiten betrachtet.

Der Name

Woher stammt der Name Taubenloch?

Da die Schlucht mit Tauben besiedelt ist, liegt die Annahme auf der Hand, dass dieser interessante Vogel zur Namensgebung geführt hat. Der Sprachforscher Albert S. Gatschet teilt diese Ansicht nicht. Die Etymologie der Ausdrücke Daube, Dube oder Tube in der Mundart führt auf den lateinischen Ausdruck Doba zurück, der Graben oder Senke bedeutet. In germanischer Sprache heisst es tubil, was wir heute als Tobel aussprechen.

Die Realisten werden wohl Gatschet Recht geben, die Poeten werden die Taubenversion vorziehen – und wer es romantisch mag, hält sich an die Sage vom Taubenloch.

Die Sage vom TaubenlochPDF · Infotext
Die Schüss fliesst ruhig durch den grünen Schluchtwald
Die Schüss

Ursprung der Schlucht

Im hintersten St.-Immer-Tal, an der Grenze zum Kanton Neuenburg, entspringt die Schüss. Gemächlich fliesst der Fluss bis Sonceboz am Fusse des Pierre Pertuis, durchbricht den Felsriegel von Tourne-Dos und fliesst durch eine liebliche Flusslandschaft bis Reuchenette.

Nach dem ruhigen Oberlauf stürzt sich die Schüss in die Felsmühlen, und in mächtigen Sprüngen erreicht sie die Ebene von Biel. Ab dem Hauserwehr teilt sich der Fluss seit der Industrialisierung in drei Kanäle auf und mündet nach insgesamt 42 km in den Bielersee. Bei Fischern gilt die Schüss als gutes Forellengewässer – kalkhaltig und sauerstoffreich.

42 km
von der Quelle bis zum Bielersee
60 m³/s
Wasser bei Hochwasser
2–3 m³/s
nach Trockenperioden
Blühende Platterbse am moosigen Boden der Schlucht
Flora

Paradies für Moose und Farne

Die feuchten, kühlen, kalkigen Schutthalden sind von Ahornwäldern bewachsen, da die Buche Verletzungen ihres Stammes durch stetig zu Tal rutschendes Geröll schlechter verträgt. Am moosigen Boden spriesst die Hirschzunge, eine für Schluchtlagen typische, geschützte Farnart.

Generell ist die Taubenlochschlucht ein Paradies für Farn- und Moosliebhaber. Die Eibe, wegen ihrer Giftigkeit vielerorts ausgemerzt, gedeiht wild in der Schlucht. Die flacheren Lagen sind von Linden, Ahorn, Buchen, Ulmen und Eschen geprägt – Mischwaldtypen, die Kalkböden bevorzugen, wie sie der Jura bietet.

Wasseramsel auf einem Stein am Ufer der Schüss
Fauna

Behaart oder gefiedert

Das felsige Gelände, das feuchte Klima und die Abriegelung der Schluchtzugänge durch Strassen- und Kunstbauten erklären die quasi Abwesenheit von Wild wie Reh, Hase oder Fuchs. Rare Besuche von Gämsen aus dem Jura sind nicht ausgeschlossen.

Tauben, Bachstelzen und Graureiher sind die vertrauten Bewohner der Schlucht. Oft kann man auf kleinen Felsen im oder am Fluss einen knapp amselgrossen Vogel mit dunkelbraunem Rücken und weisser Brust beobachten: die Wasseramsel – so etwas wie das Maskottchen der Taubenlochschlucht. Der Fischbestand beschränkt sich auf Bachforellen.

Verwitterte Felswand mit ausgeprägten Schichtungen in der Schlucht
Geologie

Fels wie Stofffalten

In der Schlucht fallen Gesteinsschichten auf, die an gefalteten Stoff erinnern. Tatsächlich umfasst das Taubenloch über 200 m dicke Kalkablagerungen, die vor 150 Mio. Jahren im Jurameer sedimentierten. Viel später wurden sie unter grossem Druck aufgerichtet, gefaltet und dann von der Schüss durchschnitten. Das Regenwasser löst mancherorts den Kalk auf – es bildet sich Tuffstein.

Reportage

Die Taubenlochschlucht im Fernsehen

August 2024: Reportage im Taubenloch mit «RTS couleurs d’été» (nur in französischer Sprache).

Zur Reportage

Wasserfall an der Felswand, von unten gesehen